Von:
Dirk Jonas

e-chatten.de

Ich bin gerne mit Freunden in Kontakt. Aber ich gebe zu: Handgeschriebenes ist selten geworden, außer vielleicht zu Geburtstagen, zu Weihnachten oder anderen Festen.

Nun lebt ein Teil meiner Verwandtschaft in Australien, ein Cousin in Schweden, alte Studienfreunde über die ganze Bundesrepublik und darüber hinaus verteilt. Anrufen? Eine Möglichkeit. Eine andere: Wir treffen uns im Internet zum Chatten. Da können wir uns zwischendurch über Neuigkeiten austauschen oder das nächste „leibhaftige“ Treffen verabreden.

Chatten kommt vom englischen „to chat“. Das heißt „plaudern, unterhalten“ und bezeichnet die zeitgleiche Kommunikation zweier oder mehrerer Gesprächspartner im Internet. Chatten – eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, zu halten oder (wieder) in Kontakt zu kommen.

Darum finde ich es gut, dass die evangelische Kirche auf vielfältige Weise das Internet als Kontaktmedium zu den Menschen entdeckt hat. Frohe Botschaft braucht Öffentlichkeit, nach dem Motto „Geht hinaus in alle Welt...“ – eben auch ins World Wide Web. Denn hinter den Bildschirmen sitzen Menschen wie du und ich, mit ihrer Lust und Last am Leben.

Das wird mir besonders deutlich, wenn ich bei der „Chatseelsorge der Evangelischen Kirche“ Dienst schiebe. Das ist ein Seelsorge- und Beratungsangebot für alle Menschen unabhängig von Religionszugehörigkeit, Alter und Geschlecht. Vertraulichkeit und Anonymität sind hier wichtig. Über drei Viertel der Besucher sind zwischen 20 und 50 Jahre alt. Diesen Menschen geben wir die Möglichkeit, überhaupt mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger zu sprechen. Die Anliegen der Menschen sind dabei weit gestreut: Trauer und Abschied, Zukunftsängste und Liebeskummer bis hin zu allgemeinen, oft auch schwerwiegenden Sinn- und Lebenskrisen. Das echte Leben! Zuhören und Verstehen, Einfühlen und Nachfragen sind bei der Chatseelsorge wichtig, auch Ermutigung zu weiteren Schritten oder Vermittlung zu weiterführenden Hilfen.

Von vielen, die regelmäßig mit einem wiedererkennbaren ‚Nickname‘ in den Chat kommen, höre ich die Rückmeldung „Gut, dass es euch gibt!“. Das freut mich und ermutigt, weiter mit zu arbeiten. Chatseelsorge ist antreffbare Kirche für diese Menschen.